Frauen im Militär – normal, oder?

Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Dieser Verfassungsgrundsatz gilt ebenfalls in der Armee und wird nach eigener Aussage auch intern gelebt. Schwieriger ist es für Frauen, die sich für den Militärdienst entscheiden, in ihrem zivilen Umfeld und in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Amt für Militär und Zivilschutz hat zusammen mit Kernbrand am International Women’s Day eine öffentlichkeitsstarke Aktion in der St.Galler Innenstadt durchgeführt, um die Wahrnehmung von Frauen im Tarnanzug zu normalisieren.

Am frühen Montagmorgen sorgte das Amt für Militär und Zivilschutz am Bahnhof St.Gallen für staunende Gesichter. Ein Sanitätspanzer, gefahren von einer Frau, und ein tonnenschwerer Duro bahnen sich den Weg auf den Kornhausplatz. Dort machen sie den ganzen Tag mit einem Banner auf das Kampagnenthema des diesjährigen Internationalen Frauentag aufmerksam: «#ChooseToChallenge»
Ergänzt wird der Hashtag mit der Frage «Frauen im Militär – normal, oder?»

«Auf den ersten Blick scheint es überraschend, dass sich die Armee, als eine Männerbastion, ­am Internationalen Frauentag (IWD) für Gleichberechtigung stark macht», so Projektleiterin Gisèle Ladner von der Agentur Kernbrand. Auf die Idee der Aktion zum Frauentag sei man gekommen, weil der Tag entgegen vieler anderer Werbeaktionen kein Wellness-Muttertag sei, sondern ein Tag mit politischem Hintergrund, der sich für die Rechte der Frau stark macht.

Und Fakt ist, Frauen haben in der Schweiz das Recht, Militärdienst zu leisten und werden nach eigenen Aussagen in der Armee gleichbehandelt, wie ihre Kollegen. Hingegen von ihrem zivilen Umfeld und der Öffentlichkeit werden sie mit Klischees konfrontiert und verurteilt. «Wenn sie im Tarnanzug unterwegs ist, wird sie oft angepöbelt und gefragt, ob sie echt ist – das hat uns eine Angehörige der Armee erzählt», so Gisèle Ladner, «und wenn man Medienberichte über Frauen in der Armee liest, geht es gern um Ohrringe, Nagellack und ihre Figur, um ja das Klischee der burschikosen Militärdienstleistenden zu widerlegen. Aber es sollte gar nicht um das Äussere dieser Frauen gehen. Es ist ihr Recht, Dienst zu leisten, ohne, dass es um ihr Äusseres geht.»

Die Aktion soll zur Normalisierung des öffentlichen Bilds der Frau in der Armee beitragen. Major Tamara Rancetti-Hauri und Hauptfeldweibel Desirée Pelloni haben vor Ort Medien von ihren Erfahrungen in der Armee berichtet.

Das Amt für Militär und Zivilschutz des Kantons St.Gallen setzt sich seit Jahren für mehr Frauen in der Armee ein. Aus Erfahrung zeigt sich Oberst Andreas Schwarz, Kreiskommandant des Kantons St.Gallen, überzeugt, dass gemischte Teams eine Bereicherung für die Armee sind. Es werde Zeit zu zeigen, dass die Armee keine Männerdomäne mehr sein wolle.

Auf der zur Aktion gehörigen Landingpage frauen-team-armee.ch können interessierte Frauen alle ihre Fragen direkt an Major Tamara Rancetti-Hauri schicken. Vor allem «Frauenthemen» werden immer wieder gern von Frau zu Frau besprochen, weshalb auch hier auch Platz für intime Fragen rund um die Menstruation oder die Schlafsituation in der Kaserne Platz finden.